Warum schauen junge Menschen in der Bahn nur noch auf ihr Handy? Wie sehen sie ihre Zukunft? Was bewegt sie? Mit dem AWO Generationentelefon sollen ab Mai ältere Menschen die Chance bekommen, Jugendlichen zwischen 16 und 25 Jahren diese und andere Fragen zu stellen. Wir haben mit Barbara Canton von der Koordinierungsstelle Engagement in der Arbeiterwohlfahrt Landesverband Berlin e.V. über die Idee dahinter gesprochen, die Erwartungen und über die Herausforderungen der AWO in der Coronazeit.
Im Projekt Generationentelefon können ältere Menschen mit jüngeren sprechen, um die Lebenswirklichkeit der jungen Leute besser zu verstehen. Warum ist das gerade jetzt wichtig?
Das ist schon immer wichtig gewesen. Wir bemerken, dass junge und alte Menschen außerhalb der Familien wenig bis gar keine Berührungspunkte haben – besonders auch durch die Digitalisierung. Es gibt kaum noch Orte, an denen sich jung und alt begegnen, um sich auszutauschen und sich besser kennenzulernen. Also setzen wir bei der Neugierde der älteren Menschen auf die Lebenswirklichkeit der jüngeren an und richten das „Generationentelefon“ ein. Die älteren sollen wieder mit den jüngeren Menschen in Kontakt kommen.
Was ist deine Erwartung an das Generationentelefon?
Wir erwarten, dass ältere Menschen anrufen und ihre Fragen stellen, die sie sonst keinen jungen Menschen stellen könnten. Das können Fragen sein, wie: Warum starren junge Menschen in der Bahn nur noch auf ihr Handy und unterhalten sich nicht mehr miteinander? Warum gingen im letzten Jahr, als es noch möglich war, tausende von Jugendlichen für das Klima auf die Straße? Was ist ihnen wichtig? Was sind ihre Werte? Wie sehen sie ihre Zukunft?
Bemerkst du, dass sich ältere Menschen diese Fragen stellen und unbeantwortet bleiben?
Wir bemerken das bereits bei uns in der AWO. In der AWO liegt das Durchschnittsalter bei 68 Jahren. Wir haben also relativ wenige junge Mitglieder. Das liegt sicher auch daran, dass sich viele der Angebote an ältere Menschen richten – mal abgesehen vom Landesjugendwerk. Wenn wir aber zukunftsfähig sein wollen, müssen wir uns stärker damit auseinandersetzen, was die jungen Leute bei uns machen können oder was sie attraktiv finden. Bei diesen Fragen sind viele unserer Ehrenamtlichen und Engagierten überfragt. Wenn das bei uns eher zu weiteren Fragen als zu Antworten führt, dann geht es vielen anderen sicher ähnlich.
Wie wird das Generationentelefon in der Praxis ablaufen?
Die Älteren können uns ab dem 4. Mai unter der 030 921 065 27 anrufen. Die Leitung wird Montag bis Dienstag von 10 bis 13 Uhr und Mittwoch bis Donnerstag von 14 bis 17 Uhr besetzt sein. Ein*e hauptamtliche Mitarbeiter*in wird den Anruf entgegennehmen. In dem Gespräch wird der Gesprächsbedarf oder der Gesprächswunsch aufgenommen und ein Termin für das Telefonat vereinbart. Am vereinbarten Termin wird dann eine oder einer der jungen Engagierten zwischen 16 und 25 Jahren diese Fragen beantworten und ins Gespräch mit dem interessierten älteren Mensch gehen. Dafür suchen wir noch junge Menschen, die Lust darauf haben.
Für engagementbereite junge Menschen gibt es
hier mehr Informationen, aktuell zum Projekt auch
hier @AWOLandesverbandBerlin auf Facebook
Soll das Generationentelefon - sobald es möglich ist – auch als analoges Gesprächsformat funktionieren?
Das ist unser großer Wunsch. Denn das persönliche Gespräch ist natürlich immer besser.
Wo kann ich mich melden, wenn ich beim Generationentelefon als junger Engagierter mitmachen möchte?
Wer neugierig ist, kann sich bei Thi Ngoc Hao Nguyen melden, entweder per E-Mail oder per Telefon über 0178 4980866. Wer sich meldet, erhält erste Infos und eine Einführung per Videokonferenz. Da wird geklärt, was das Generationentelefon ist und was es macht, was dazugehört und wie du mit schwierigen Situationen am Telefon umgehen kannst. Außerdem wird es regelmäßige Teamsitzungen per Videokonferenz – und später, wenn es möglich ist, auch persönlich geben –, sodass du rundum begleitet wirst.
Du hast ja bereits erwähnt, dass die AWO einen Altersdurchschnitt von 68 Jahren unter den Mitgliedern hat. Was bringt das für Herausforderungen für eure Arbeit mit sich?
Viele der Mitglieder und Engagierten sind allein durch ihr Alter in der Risikogruppe. In vielen regionalen Gliederungen, in den Ortsvereinen und Kreisverbänden sind Treffen nicht möglich und durch die Kontaktreduzierung auch nicht gewünscht. Alle Seniorenstätten, Freizeit- und Stadtteileinrichtungen sind geschlossen. Wir sind ein eher analoger Verband und setzen sehr viel auf die persönliche Begegnung. dazu kommt, dass nicht bei allen das technische KnowHow besteht, um diese Begegnungen nun durch Videokonferenzen oder andere digitale Formate zu ersetzen. Wir müssen jetzt schauen, was es für Formate gibt, bei denen wir alle mitnehmen und niemanden ausschließen, um im Kontakt zu bleiben.
Engagiert in der Coronazeit | Gut & Umgestellt
Aktualisiert: 29.04.2020

