Für viele Menschen, die im Senioren- oder Pflegeheim leben, ist der Besuch der Angehörigen eine willkommene Abwechslung und Höhepunkt des Alltags. Doch die Auswirkungen der Corona-Krise verändern den Aktionsradius der Bewohner*innen. Besuch ist nur in Ausnahmefällen möglich und auch Aktivitäten außerhalb, wie beispielsweise Spaziergänge im Freien, sind derzeit nicht ganz unproblematisch. Damit die Seniorinnen und Senioren nicht von Einsamkeit betroffen sind, hat youngcaritas die Postaktion „Schreib mal wieder“ gestartet und lädt Interessierte zum Mitmachen ein!
Wie geht es Ihnen als youngcaritas in dieser Corona-Zeit?
Für uns ist die aktuelle Situation natürlich eine große Umstellung. So mussten beispielsweise die regelmäßigen Nähtermine im Upcycling Projekt *vergissmeinnicht* abgesagt werden und geplante Aktionen mit den Teilnehmenden im interkulturellen Projekt „Kulturbuddys“, wie das monatliche Bouldern, können zunächst nicht mehr stattfinden. Wir versuchen die aktuelle Situation zu nutzen, um neue kreative Lösungen zu finden und auch digitale Möglichkeiten wahrzunehmen. So haben wir bereits einen virtuellen Museumsbesuch veranstaltet, rufen zum Behelfs-Stoffmasken-Nähen auf und unsere „Schreib mal wieder“ Briefaktion ist gestartet.
Seit wann gibt es „Schreib mal wieder“ und wie ist die Projektidee entstanden?
Als klar war, dass alle auf persönlichen Kontakt ausgelegten Aktionen für einen bestimmten Zeitraum nicht mehr stattfinden können,
haben wir uns zusammengesetzt und überlegt, durch welche Aktionen wir auf kreative Art und Weise dennoch Menschen zusammenbringen können. Insbesondere für Bewohner*innen von Pflege- und Senior*innenheimen ist der Kontakt zu Personen außerhalb der Einrichtung in diesen Tagen sehr eingeschränkt.
Wer kann mitmachen? Alle, nicht nur junge Menschen zwischen 16 und 30 Jahren …
Der Aufruf richtet sich an alle, die Lust haben kreativ zu werden. Unter den Teilnehmenden sind Schüler und Schülerinnen, die ihre Schulpause sinnvoll nutzen. Auch ältere Menschen, die teilweise selbst zur Risikogruppe gehören, melden sich zum Mitmachen. Zudem möchten sich auch Unternehmen mit ihren Mitarbeitenden engagieren. Wir freuen uns, dass wir mit der Aktion auch Menschen außerhalb unserer eigentlichen Zielgruppe von jungen Menschen zwischen 16 und 30 Jahren ansprechen und zum Mitmachen motivieren können.
Wie funktioniert das genau?
Wer Lust hat mitzumachen und einen Kontakt der teilnehmenden Einrichtungen der großen Caritas-Familie vermittelt
bekommen möchte, schreibt uns dazu eine Mail mit Namen und Alter, verrät uns woher er/sie von der Aktion erfahren hat und aus welcher Stadt die Post verschickt wird. Dann geht es ans Schreiben eines Briefes oder einer Postkarte. Wer mag, kann auch ein Bild malen, ein Gedicht aufschreiben oder ein Foto mitschicken. Sobald die Post fertig ist, wird sie durch die Teilnehmenden an die jeweilige Einrichtung geschickt.
Soll das Projekt langfristig angeboten werden?
Durch die Aktion konnte mittlerweile schon Post an ungefähr 300 Senioren und Seniorinnen zugestellt werden. Beispielsweise berichtet das St. Alexius Seniorenpflegeheim in Berlin-Hohenschönhausen: Die Bewohner und Bewohnerinnen waren alle sehr gerührt und haben sich sehr gefreut. Eine ganz besondere Aktion in dieser so nicht einfachen Zeit. Dass unsere Bewohner*innen keinen Besuch mehr empfangen dürfen, ist für alle schmerzlich und daher eine gelungene Abwechslung und somit auch Kontakt zur Außenwelt.
Wir freuen uns, dass wir so viele Menschen zum Schreiben motivieren können und hoffen, dass die Aktion auch in Zukunft weiterläuft und möglicherweise sogar die eine oder andere Brieffreundschaft erwächst.
Engagiert in der Coronazeit | Gut & Umgestellt
Fotos: @Walter Wetzler (Portrait) & youngcaritas | Aktualisiert: 13.05.2020



